Die Leo zum Kunst-Raum

Die Leopoldstraße ist unbestritten Münchens Promenier- und Prachtmeile. Man soll keinen Vergleich mit der Maximilianstraße anstellen wollen – da herrscht der Kommerz, es fehlen der breite Boulevard, der Pappelsaum und: Schwabings Geist.

Zu Recht mag man nun fragen: Wo ist er denn, der Geist, wo all die Billigbuden und Handy-Läden das Straßenbild bestimmen? Wo eigentlich nur die dicht besetzten Stuhlreihen der Cafés so etwas wie Rest-Schwabing ausmachen, und dann auch nur, wenn die Sonne scheint? Wir wollen ihn suchen, wecken. Lasst uns etwas tun.

Sicherlich hat der Corso Leopold das Potenzial, den Ortsgeist herauf zu beschwören: Dass freie Kunst, das Widerständige, das ästhetisch Anspruchsvolle, warum nicht auch: das unpopulär Zukünftige den Ort bestimmen möge, der immer wieder eine Straße ist, von Bürgersteigen mit der beliebten Münchner Gehweg-Platte gesäumt. Hier lässt sich etwas tun.

Zunächst kommt einer kunstvollen Zukunfts-Gestaltung entgegen, dass – zurückhaltend formuliert – der Autoverkehr aktuell in eine ziemliche Krise geraten ist. Die Stinker und Raser, die Rennfahrer und Blechprotzer, die PS-Süchtlinge und all die Unbelehrbaren sind ins Fadenkreuz der großen Politik geraten. Groß heißt hier: Die von Gesetz und Anwohnern erzwungene Entwicklung von Alternativen. Heißt: Wer Schadstoffe emittiert, und das sind sie alle, die derzeit das Straßenbild der Leo beherrschen, der bekommt Probleme. Die kosten die stolze deutsche Automobil-Industrie nicht nur schätzungsweise 600.000 Jobs, sondern werden dafür sorgen, dass unsere Leo künftig ganz anders aussehen (und sich anhören) wird.

War es bisher schon so, dass der Corso Leopold ein (leider) bis heute einzigartiges Experiment ist, auf das die Stadt immer noch stolz darauf sein kann, es sich geleistet zu haben, wird der Corso Leopold künftig, da bin ich mir sicher, ein Dauerzustand werden. Das wollten wir immer schon, aber nun kommt die Zukunft auf uns zu. Wie das?

Zunächst setzt sich der örtliche Bezirksausschuss dafür ein, dass auf der Leo ein breiter Fahrradschnellweg entsteht. Der kostet eine Autospur, womöglich eine Parkreihe. Es kann und sollte nicht mehr lange dauern, bis Tempo 30 eingeführt wird, stadtweit, zur Emissionsminderung. Dann verliert die Piste ihren Wert als Rennstrecke. Ich habe einen Beschluss herbeigeführt, dass zur Minderung der Schadstoffbelastung fossil betriebene Verkehrsmittel kontinuierlich eingeschränkt werden. Das mindert den fahrenden Verkehr, verstärkt dadurch, dass durch Car-Sharing der „ruhende Verkehr“, also das stehende Auto, ebenfalls reduziert wird. Ergebnis: Die Leo verliert ihre Funktion als Hauptverkehrs-Achse. Das bereitet den Weg zu einem Funktions-Wechsel. Nun kann die Leo zur Kunstmeile werden, eine Prachtstraße neuen Typs, wo die Kunst den Raum prägt und nicht das Auto.

 

Das Kunst-Projekt „ Münchner Freiheitstor“  als Herausforderung für die Stadtgesellschaft

Als Veranstalter des Corso Leopold, als Schwabinger, als Münchner und Staatsbürger schlagen wir ein Kunstwerk für die Münchner Freiheit vor.

Die Idee

Das Freiheitstor soll

  • Den Geist von Schwabing fassen;
  • Den Kunst-Raum Leopoldstraße einfassen;
  • Mit dem Siegestor den Rahmen dazu bilden;
  • Eine städtebauliche Dominante setzen;
  • Die Sicht- und Entwicklungs-Achse Feldherrn-Halle/Siegestor/??? als unvollendeten historischen Dreischritt verstehen und abschließen;
  • Die erfolgreiche Geschichte der Werte des Grundgesetzes an seinem 70 Geburtstag ehren;
  • Ein Kunstwerk sein, das Münchner Freiheitstor heißen soll, in Erinnerung an die Freiheitsaktion Bayern und den Widerstand in München.

Ästhetik

Es scheint klar, dass ein solches Konzept nur einen Sinn haben würde, wenn seine Gestalt nicht einfach zur dekorativen Gestalt gerät. Dies wäre zB eine heute obsolete Architektur wie des Siegestors mit seiner monarchisch-kriegerischen Triumphgeste, gekrönt von einer an ebenfalls römischen Vorbildern orientierten Quadriga.

Vielmehr sollte seine Gestalt die nötige Eigenständigkeit aufweisen, um inmitten von räumlichen, verkehrlichen, stadtplanerischen, politischen wie technischen Anforderungen ästhetisch in der Gegenwart zu bestehen und seine eigene Sprache entwickeln zu können.

Die Gestaltung soll den Gegensatz um Siegestor betonen. Es ist Bedingung, dass seine Höhenentwicklung diesem nicht nachstehen darf.

Es soll sich um eine Arbeit handeln, die zu den Bürgern der Stadt wie zu den Besuchern der Münchner Freiheit eine bestimmte Beziehung aufbauen kann und ihnen nicht einfach wie ein fremdes Objekt vorgesetzt wird. Es geht ihm darum, den Geist von Schwabing zu erfassen, der wie kaum ein anderer Ort geeignet ist, sinnbildlich für einen stolzen Abschnitt deutscher Geschichte zu stehen – für Freiheit und Widerstand, Phantasie und Weltgeltung, wunderbare Menschen und Traditionen.

 

Charakteristik  des Projekts

In seiner dialektischen Spannung zum Siegestor bildet das Kunstwerk in jeder Hinsicht sein Gegenstück:

Krieg und Frieden

Monarchie und Demokratie

Untertan und Bürger

Architektur und Kunst

Rom und München

Königshof und Schwabing

Die Spannung der Gegensätze verwandelt die Leopoldstraße zum Kunstraum:

  • Durch das Kulturfest Corso Leopold
  • Durch sukzessive Abwicklung der Dominanz des Autoverkehrs
  • Durch skulpturale Prägung des Raums Leopoldstraße.
  • Durch die mutige Rahmung und gestalteten Abschluss

Terminplanung

Das Freiheitstor soll der Beitrag Münchens zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes sein und das Denkmal für diese einmalige Zeit von Frieden in Freiheit setzen. Es ist beabsichtigt, nach Klärung technischer und politischer Fragen einen Wettbewerb durchzuführen.

Meilensteine bisher

Entwicklung der Idee seit 2015 (Beginn der „Flüchtlingskrise“ in München)

Vorstellung der Idee im Kulturreferat

Publizierung im Rahmen des Corso Leopold am 10.092017

Einrichtung eines steuerabzugsfähigen Sonderkontos

(…)

 

Ekkehard Pascoe

Corso Leopold eV

München, im September 2017

 

 

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