Wolfgang Heuss war ein Vater des Corso Leopold

Wir trauern um Wolfgang Heuss.

Sein plötzlicher Tod hat ihn aus seiner Arbeit am Gemeinwohl gerissen. Er hielt eine Professur an der Hochschule für Angewandte Sprachen, deren englische Abteilung am Dolmetscher-Institut er 20 Jahre lang leitete. Dort war er hoch geschätzt. Daneben und nach seiner Pensionierung widmete er sich in erster Linie dem publizistischen Kampf gegen die Atomenergie. Er hielt sie für prinzipiell nicht beherrschbar, weil er überzeugt war, dass ihr Menschen geopfert werden. Der Mitarbeit beim „Nuclear Free Future Award“ galt nach seiner Pensionierung sein allererstes Interesse. Die Auswahl der Preisträger und die weltweiten organisierten Preisverleihungen waren Höhepunkte dieses Engagements.

Über 30 Jahre lang wirkte er auch in der Schwabinger Friedensinitiative mit und war dort zuständig für „Internationales“ und „Frieden“. Sein Bericht über das Salzburger  „World Uranium Hearing“ vom September 1992 war ein journalistisches Aushängeschild  der Zeitung „Schwabing Extra“, zu deren Redaktionsteam auch der Schreiber dieses Nachrufs gehörte. Bei einer die wie stets leicht beschwingten Sitzungen wurde erstmals von der Sperrung der Leopoldstraße geredet – da könnte man doch einfach mal so flanieren, wenn die Autos weggesperrt würden und nicht gerade ein Sieg bei einer Fußball-EM zu bejubeln sei.

Als dann tatsächlich der Corso Leopold ein großes Kulturfest geworden war, sah man ihn dort bescheiden in seinem Liegestuhl, von wo aus er seinen Nuclear Free Future Award repräsentierte – immer freundlich und bescheiden.

Als ich seine Mitarbeit im Verein anfragte, stellte er sich gerne als Schriftführer zur Verfügung und behielt diese Aufgabe bis zu seinem Tod. Im Vereinsvorstand war er der Grandseigneur, der mit sonorer Stimme abgehängte Urteile beitrug und den jungen Leuten vormachte, was es heißt, eine Autorität zu sein, die nicht den Anspruch darauf erheben muss.

Wir werden unseren Wolfgang stets in ehrender Erinnerung behalten. Der Abschied fällt schwer und macht traurig.

Für den Vorstand des Corso Leopold e.V.

Ekkehard Pascoe

 

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