DER BOULEVARD WIRD RAUMGESTALT!

Mit seinen Plänen für das Freiheitstor an der Münchner Freiheit, zugleich mit seinen Vorschlägen für ein neues Straßenprofil (zugunsten von Rad- und Fußverkehr) eröffnet der Corso Leopold eine zukunftsweisende Perspektive für Münchens schönste Prachtstraße – den Boulevard Leopold.
Warum? Inwiefern?
Wir wechseln zum einen die Perspektive auf das Siegestor. Dessen Bedeutung für die Wahrnehmung der – mangelhaften – Raumgestalt des Boulevards kann gar nicht überschätzt werden. Nach außen hin war das Tor einst eine Stadtgrenze, die das Wachstum der Stadt im 19. Jhd. visuell abschloss. Jenseits des Siegestors war „Dorf“, dessen günstige Wohnungspreise Voraussetzung für die Bedeutung Schwabings als Künstlerort wurden. Das Wachstum der Stadt, dessen Dynamik eindeutig Richtung Norden weist, hat das Tor längst auf einer Straßeninsel stehen lassen. Es ist zu einem Zeichen der Vergangenheit verkümmert, gar einer kriegerischen, zumal die stadteinwärts gerichtete Widmung, es mahne zum Frieden, seine leere römische Triumphgeste kaum mildert.
Die schöne Leopoldstraße versickert danach ins städtebauliche Nichts. Kein Zeichen gibt ihr Halt, wo und wie sie sich in den Norden verläuft. Daher wird die Münchner Freiheit, ein durchaus bedeutender Platz, längst als eklatantes Desiderat des Städtebaus identifiziert: Der Platz ist ein Nicht-Ort, eine Verzweigung von Wegen mit Haltestelle, Kinderspielplatz und versenktem Schein-Forum. Eine Bebauung wird längst gefordert und stets verhindert. Es ist überdeutlich, dass an dieser Stelle der Rahmen für die Leopoldstraße, ein Zeichen der Stadterweiterung, ein Rahmen für den Boulevard, zu entstehen hat.
Mit seinem Vorschlag, genau in die Sichtachse von Feldherrnhalle und Siegestor ein Zeichen für unsere Gegenwart, das demokratische München und seinen Stolz auf das bürgerschaftlich Erreichte zu setzen, will der Corso Leopold mehr als nur eine Debatte anzetteln. Es geht ihm um die Definition eines wunderbaren Raums, das Schwabinger Herz.
Unsere Perspektive soll sich auf die Stadt der Gegenwart richten, indem sie eine stolze Geschichte von 70 Jahren Frieden und Freiheit zum weithin sichtbaren Kunstwerk macht. Denn kleiner, gar weniger wichtig als das Siegestor soll und darf sich das Freiheitstor nicht in den Himmel recken – in seiner schlanken Gestalt!
EP

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